Leerer Spielplatz

Lernen aus dem ersten Lockdown – Spielplätze offenhalten!

Eine Stellungnahme von Prof. Dr. Bärbel Kracke, Prof. Dr. Peter Noack und Prof. Dr. Karina Weichold
Leerer Spielplatz
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Meldung vom:

Wenn wir eines aus dem Lockdown im Frühjahr lernen können: Kinder, Jugendliche und Eltern mit Sorgeverantwortung für Kita- und Schulkinder fühlten sich mit ihren Interessen und Bedürfnissen zu wenig von den politischen Entscheidern in Krisenstäben wahrgenommen (Andresen et al., 2020, KiCo und JuCo-Studie). Genau dies wiederholt sich, wenn die Stadt Jena entscheidet, dass angesichts der aktuell über 200 neuen Infektionsfälle in sieben Tagen Spielplätze und Bolzplätze geschlossen werden sollen. Wir alle wissen es und entwicklungspsychologische Studien bestätigen es:  Kinder brauchen Bewegung an der frischen Luft, sie müssen die Möglichkeit haben, andere Kinder zu treffen, damit sie zufrieden und lebensfroh sind. Verschiedene Studien zum Lockdown im Frühjahr haben gezeigt, dass gerade für Kinder und Jugendliche der Kontakt zu Gleichaltrigen für ihr Wohlbefinden wichtig ist. Viele Kinder haben wegen fehlender Kontakte zu den Gleichaltrigen über mehr Traurigkeit berichtet. Eltern haben erzählt, wie wichtig es für die Stimmung in der Familie ist, neben der Beschäftigung zuhause auch mit den Kindern nach draußen gehen zu können und zu toben. Das gilt mehr noch, wenn Familien kleine Wohnungen und keinen Garten haben, in denen die Kinder isoliert von anderen herumspringen können (DJI, 2020).

Die Stadt Jena argumentiert mit der auf Spielplätzen vorherrschenden Sorglosigkeit in Bezug auf Nähe und die damit erhöhte Ansteckungsgefahr. Diese Argumente sollte man auf keinen Fall vom Tisch wischen. Aber Kinder im Vorschul- und Grundschulalter sind sensibilisiert für die Gefahren von Corona. Manche schon so sehr, dass sie sich ängstigen. Die Kinder haben sich doch längst daran gewöhnt, dass es in Corona-Zeiten besondere Vorsichtsmaßnahmen braucht. Sie akzeptieren zum Beispiel den Mund-Nasenschutz. Schulkinder sind ihn aus der Schule gewohnt. Viele jüngere Kinder kennen ihn von ihren älteren Geschwistern und besitzen einen eigenen. Manche Kinder müssen ihn aus Gesundheitsschutzgründen immer tragen. Es kommt vor allem darauf an, dass die Eltern mitspielen. Sie müssen sich an die notwendigen Regeln halten, um andere zu schützen und als Vorbilder verhalten. Und für die Kinder: Neue Regeln auf dem Spielplatz! Die Anzahl der Kinder begrenzen. Spielen mit Mund-Nasen-Schutz und unter Aufsicht von Erwachsenen, die auch Abstand halten und Mund-Nasen-Schutz tragen. Vielleicht müssen es gar nicht immer die Eltern sein, die auf das Einhalten der Regeln achten. Wie wäre es, pädagogische Fachkräfte mit einzubeziehen in die Aufsicht zu Zeiten, in denen viele Kinder auf Spielplätzen unterwegs sind?

Über Jugendliche haben wir dabei noch gar nicht gesprochen. Für sie wäre es auch wichtig, Begegnungsräume außerhalb des Elternhauses bereit zu halten, in denen sie aber sicher vor Ansteckung sind. Am besten wäre es, Jugendliche und Pädagog:innen, die mit Jugendlichen arbeiten, an den Entscheidungen über Schließungen zu beteiligen. Das wäre ein Zeichen, dass man aus dem Lockdown im Frühjahr gelernt hat.

Quellen:
Andresen, S. et al. (2020). Erfahrungen und Perspektiven von jungen Menschen während der Corona-
Maßnahmen. file:///C:/Users/PAEDPS~1/AppData/Local/Temp/Rusack_JuCo.pdf (Zugriff 17.12.2020) Andresen. S. et al. (2020). https://aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung/erste-ergebnisse-aus-der-studie-kico-die-familien-als-seismograph-der-krise/
DJI (2020). https://www.dji.de/themen/familie/kindsein-in-zeiten-von-corona-studienergebnisse.html